Verantwortungsloses Handeln wirft die CDU den Parteien vor, die zuletzt massive Kritik am Projekt Quantensprung geäußert hatten.
SPD, Grüne und Linke würden Wahlpropaganda auf dem Rücken der Hauptschüler betreiben, sagen Fraktionsvorsitzender Rolf Kramer, seine Stellvertreter Michael Schmitt und Karsten Meininghaus sowie Schulausschussvorsitzender Thorsten Schick. Sie räumten ein, dass die Umsetzung des Verwaltungsprojektes an einigen Stellen keinesfalls so glatt laufe wie gewünscht. Auch sei es sicherlich nicht hilfreich gewesen, dass in einer entscheidenden Projektphase ein von Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens initiierter Wechsel in der Verantwortlichkeit stattgefunden habe. Wenn nun deutlich werde, dass ein Projekt, mit dem bundesweit völliges Neuland betreten worden sei, in der Umsetzung noch einige Schwächen aufweise, sei das ja nichts völlig Ungewöhnliches. Und da gelte es doch zunächst einmal intensiv daran zu arbeiten, solche Schwächen zu beseitigen, anstatt es gleich wieder einzustampfen.
So sagte Thorsten Schick, dass man die Verwaltung ohne wenn und aber in die Pflicht nehmen werde, allen Schülern, die ihren Quantensprung-Vertrag erfüllen, eine Lehrstelle oder eine andere gewünschte Perspektive anbieten zu können. Bei allen Problemen dürfe man auch das Positive nicht vergessen. So hätten bereits im vergangenen Jahr mehr Hauptschüler in eine Lehrstelle gebracht werden können - und zwar als Folge erster Maßnahmen, die heute wichtiger Bestandteil von Quantensprung sind. Das, so Schick, sei ihm von einigen Hauptschulleitungen so bestätigt worden. Wenn es nun gelinge, trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes alle im Quantensprung verbliebenen Schüler zu vermitteln, sei dies ein Erfolg. Gleichwohl räumt er ein, dass die Quote der Schüler, deren Vertrag aufgelöst wurde, letztlich noch zu hoch sei. Hier müsse intensiv analysiert werden, welche Gründe im Einzelnen dazu geführt haben, dass Schüler ihren Vertrag nicht erfüllen konnten oder wollten. In einem zweiten Schritt müsse überlegt werden, wie nachgebessert werden kann. Quantensprung zu den Akten zu legen, so Schick, sei jedenfalls keine Alternative.
Die Kritik von SPD, Grünen und Linkspartei ziele im Übrigen nur vordergründig auf das Projekt. Vielmehr solle die Schulform Hauptschule insgesamt sturmreif geschossen werden, um der Gemeinschaftsschule den Weg zu bereiten. Wer aber glaube, irgendwelche Probleme lösen zu können, indem man nur ein anderes Namensschild an eine Schule hänge, irre gewaltig. Das sagt auch Karsten Meininghaus. Denn die Problemklientel bleibe danach ja die gleiche. Und es sei eben besser, so Michael Schmitt, lernschwächere Schüler in einer Schule zu unterrichten, die dafür eine besondere Kompetenz besitze. Und dazu sei eine attraktive Hauptschule, die sich nicht als „Restschule” definiere, am geeignetsten. Der Feldzug einiger Parteien gegen die Hauptschulen, so Schick, solle die gesamte Schulstruktur ins Wanken bringen und ziele in Wahrheit auf die Abschaffung von Realschulen und Gymnasien - aus ideologischen Gründen.
Aus Sicht der CDU kommt die massive Kritik am Quantensprung jedenfalls zur Unzeit und sei extrem kontraproduktiv. Die Schüler würden massiv verunsichert, die Netzwerkpartner, die derzeit akribisch daran arbeiten würden, die Lehrstellen anbieten zu können, ein Stück weit deprimiert. Unglücklich sei es zudem, dass das Thema gerade in der Phase der Schulanmeldungen hochgekocht werde. Aber auch das geschehe ja vielleicht ganz bewusst.
Quelle: ikz-online.de vom 19.02.10